22/07/2016

Und dann passierte es direkt vor der Haustüre.

Seit ich in München lebe, fühle ich mich so wohl und sicher wie in keiner anderen Stadt zuvor. Die Straßen sind unheimlich sauber, die Menschen freundlich und alles läuft irgendwie so wunderbar ordentlich und herzlich ab in dieser Stadt. Niemals hatte ich Angst in der U-Bahn, beim nächtlichen Nachhause-Spazieren oder bei großen Menschenansammlungen.

Als meine Freundin dann am Freitag schrieb “Omg, Anschlag im Olympia Zentrum” wollte mein Gehirn das zunächst gar nicht realisieren. Ich saß auf der Bank im Hinterhof mit einem Feierabend-Radler und genoß den Start ins Wochenende auf ganz Münchnerische Art. Nach ihrer Nachricht begann ich mich auf Twitter umzusehen und Live Ticker zu verfolgen. Langsam kam bei mir an: Das passiert gerade wirklich. Hier in München.

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Während die ganze Stadt verriegelt wird, der öffentliche Transport eingestellt und die Bewohner aufgefordert wurden unbedingt im Haus zu bleiben, zeigt sich die Stadt offen und herzlich: Alle die unterwegs sind, finden bei den großartigen Münchnern Unterschlupf – mit #offenetuer wird signalisiert, wer die Türe öffnet und Schutzt bietet. Am Morgen nach der Nacht zählt der Hashtag 75,7 Tsd Tweets. Privatpersonen sowie Hotels, Restaurants und Moscheen öffnen ihre Türen für alle Menschen, die nicht nach Hause kommen. Solidarität wird groß geschrieben in dieser fantastischen Stadt, von Misstrauen gegen Fremde und Hass will man nichts wissen. Und das widerrum fühlt sich toll an.

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Auch am Tag darauf gehen die Münchner ihren Besorgungen nach, sitzen in Cafés und lachen. Ich empfinde die Straßen und Plätze als sehr erfüllt von dieser einen, durchdringlichen Message: Wir lassen uns keine Angst machen. München gehört und uns wir genießen unser Leben hier in vollen Zügen.

Ja, es war “nur” ein Amoklauf und kein terroristischer Anschlag – eine Gräueltat, die überall so auftreten könnte. Trotzdem trägt es dazu bei, dass die vermeintliche Sicherheitsfassade der Stadt für mich ein kleines bisschen bröckelt. Bis dahin fühlte ich mich in dieser Stadt so unantastbar, so fern ab von derartigen Grausamkeiten. Gedanken an die Wiesn 2016 sind zum ersten Mal nicht mehr bloß vorfreudig, sondern auch mit einer Spur Angst durchdrängt. Ich will es nicht zulassen und doch passiert es ganz automatisch.

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Es war kein Terror, aber es hätte Terror sein können.
Alle meine Liebsten waren in Sicherheit, aber sie hätten in Gefahr sein können.
So nahe, so greifbar wie noch nie. So medial präsent und angsteinflößend.

Ich kann meine Angst dieser Nacht noch nicht ganz zuordnen, aber ich weiß, dass ich sie ganz schnell abschütteln muss. Weil das keine Option ist. Wenn schon ein Anschlag ohne terroristischen Hintergrund Furcht vor Terror erzeugt, dann hat der Terror doch schon gewonnen. Fakt ist: Es passieren überall auf der Welt schreckliche Dinge, jeden Tag und das schon lange. Wir kriegen es heute aber alle viel intensiver mit, weil Twitter und Co. unheimlich schnell und vielseitig informieren (und verwirren) können.

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Wir müssen versuchen weiterzuleben wie bisher und uns unsere Stadt nicht nehmen lassen. München gehört uns und hier ist kein Platz für Angst, Hass oder Misstrauen.

Am Sonntag danach wird München belohnt für seine Herzlichkeit mit dem schönsten Sommerwetter. Alle Welt ist auf den Beinen, die Wiesen an der Isar und dem Englischen Garten sind proppevoll. Es wird gelacht, Sport gemacht, Eis gegessen und Pokemon gefangen. Voll von ungetrübtem Lebensmut und Liebe für diese fantastische Stadt.

Bilder: Brushmeetspaper

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Comments (2)

  1. <3 München, meine Stadt! Unsere Stadt!

  2. yes! 🙂

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