Brush Lettering: Fomo

Das iPhone zickte, ab zur Genius Bar und bang wird mein Gerät direkt ausgetauscht. Manchmal kann das ganz schnell gehen. So schnell, dass ich den Mittagspausen-Besuch im Apple Store gar nicht wirklich eingeplant hatte. Und den Geräte-Austausch schon dreimal nicht. Die letzte Sicherung ist zwar nicht ewig lang her, aber mein iTunes zur Überspielung der Daten aka “Mein ganzes Leben” warten brav zuhause auf mich. 6 Stunden ohne Handy liegen vor mir. Easy peasy denke ich mir. Nur meldet sich dann schon nach 15 Minuten die ersten Entzugserscheinungen. Der verinnerlichte Griff in die Tasche, das (total überzogene) Gefühl von Hilfslosigkeit und die berühmt berüchtigte fear of missing out klopfen an. Das kann ja geil werden.

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Ich würde mich jetzt nicht unbedingt zu den iPhone-Suchti’s zählen, aber wenn wir mal ehrlich sind, also so wirklich ungeschminkt, bin ich eigentlich schon ziemlich abhängig. Nicht unbedingt nach einer bestimmten App oder dem Gebrauch an sich, sondern eher von den großen Pluspunkten des mobiles Internets wie “Erreichbarkeit” und “endloses Wissen”.

Den ersten Punkt, die Erreichbarkeit, finde ich unheimlich wichtig. Ob in der Badewanne, beim Laufen gehen oder in der Schlange beim Supermarkt – ich liebe es, dass ich immer alle erreichen kann. Und selbst erreichbar bin. Weil ich gerne Menschen um mich habe, ganz besonders meine Liebsten – ich teile gerne schöne und hässliche Momente right this minute und bin deshalb ein großer Verfechter von Snapchat und Sprachnachrichten. Sharing is caring bzw pures Glück für mich.

Und wie schnell bitte hat man sich an die “grenzenlose Information”, die per Handy permanent zur Verfügung steht, gewöhnt? Unheimlich bequem ist das! Durch das stets griffbereite Handy ist unsere Gesellschaft ziemlich übermütig geworden in punkto Wissen: Wir schauen nicht mehr im Vorfeld nach dem richtige Weg, Restaurant oder schlagen Begriffe nach. Anstelle dessen fragen wir Maps, wenn wir auf dem Weg sind, Yelp nach einem leckeren Tip in der Nähe und googlen, wenn uns ein Film, Song oder Begriff nicht sofort einfällt.

Beides geht mir – in meiner 6-stündigen Zwangenzug – ziemlich ab. Aber ganz besonders, wenn nicht sogar am meisten quälen mich lebenswichtige Fragen wie: Was passiert gerade auf Instagram? Wer snappt gerade von wo? Verpasse ich ein wichtiges Ereignis? Ein neues Carpool Karaoke vielleicht? Hat Kylie ein neues Lip kit released? Habe ich neue Emails bekommen?

Während ich panisch meiner Freundin schreibe, bricht sie mein unruhiges Gefühl auf einen Gedanken runter: “Du hast jetzt das Gefühl so viel zu verpassen. Aber der Witz ist ja: Man tut das gar nicht”. Ich verpasse also nichts an diesem einen Dienstag nachmittag im Mai? Ich kann’s nur schwer glauben. Die altbekannte #Fomo klopft an und lässt mich nur schwer ruhig bleiben.

Vom offline Leben kenne ich das Gefühl schon lange: Statt bei einer leichten Erkältung oder Müdigkeit an einem Freitagabend zuhause zu chillen sorgt bei mir die fear of missing out regelmäßig dafür, dass ich die Partyschuhe (okay, Sneaker) überstreife und mich doch noch in die Nacht stürze. Ich könnte ja eventuell eine legendäre Feierei verpassen. Ähnlich geht es mir jetzt mit dem schwarzem iPhone-Bildschirm. Keine Push-Benachrichtigungen, kein Lebenszeichen. WAS IST LOS IN DER WELT?

Ich kann es wohl doch nicht leugnen: Diagnose Handy-Sucht. Oder vielmehr Informations- und Kontakt-Sucht mit einem klaren Fall von #Fomo. Ginge dieser Austausch mit Freunden und der Welt über Brieftauben würde ich zu den gefiederten Freunden greifen, keine Frage. Das Mittel ist mir relativ Banane. Aber diese Dinge gehören einfach in mein digital-junkie-Leben.

Klar ist das nicht unbedingt gesund und aktuell alles andere als Trend. Der erste Rat wäre sicher, dass ich mir im nächsten Urlaub eine der angesagten “Digital Detox”-Kuren verordnen und eine Zwangspause einlegen. Aber Cold Turkey-Diäten à la Detox-Tage mit kaltgepressten Säften ist nicht so unbedingt mein Ding. Ist da nicht der Rückfall mit Jojo-Effekt schon vorprogrammiert?

Fakt ist: In 2 Stunden sind mein Handy und ich wieder vereint und der Kontakt zu Welt wieder aufgebaut. Verrückt wie sehr ich auf das mobile Web stehe. Aber wenn da die Liebe hinfällt… why fight it?

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Bilder: Brushmeetspaper