New York, New York

Eine geballte Ladung an Erfahrungen, Erlebtem und Erkenntnissen eingebettet in Letterings und meine liebsten Fotografien aus der Stadt, die angeblich niemals schläft (psst: sie tut es doch!): New York City. 

Disclaimer: Das wird kein Beitrag mit Tipps und Must-Sees in New York, sondern viel mehr ein sehr persönlicher Erfahrungsbericht von mir, wie ich die Stadt wahrgenommen habe. Ich war übrigens davor noch nie in den USA, das heißt viel Erlebtes trifft sicher auch auf die Staaten generell zu. Für mich ist der erste Kontaktpunkt eben New York gewesen, deshalb seht es mir bitte nach, wenn ich etwas thematisiere, dass für die ganze USA gilt.

Und noch was: Tipps für die Stadt findet Ihr zu Genüge an anderer Stelle und ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich kein Fan davon bin. Denn leider sind viele der Spots, die mir empfohlen wurden, so überlaufen mit Touristen und ganz besonders jungen Mädels, die ziemlich offensichtlich für schön Instagram-Fotos vor Ort waren.

Los geht’s mit meinen Erkenntnissen, die ich einfach gerne festhalten und teilen wollte, denn sie waren und sind noch immer überwältigend für mich.

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#1: Jeder zieht an, was sie/er das mag. Während in Deutschland – und München besonders, let’s face it – jeder schaut, kommentiert und heimlich bewertet, was andere so anziehen und wie sie sich stylen, schert das in New York niemanden die Bohne. Zum einen zieht (vielleicht auch wegen der Hitze?!) jeder – egal bei welcher Figur – das Minimalste an, was geht: bauchfrei, knappe Shorts, und dazu Ausschnitt ist die Grunduniform. Ich habe mich selbst dabei ertappt, wie ich positiv erstaunt ich war, dass viele Mädels und Frauen mit etwas mehr (bis sehr viel) auf den Hüften diesen Look gerockt haben. Und das mit einer Selbstverständlichkeit, die mir selbst völlig abgeht: Ich checke jeden Look für mich selbst auf “Kann ich das machen, passt das zu meiner Figur?”. Das finde ich seit New York ziemlich bescheuert und versuche mich vom positiven Vibe mit meiner Selbstliebe und “I don’t care what others think”-Attitude der Menschen inspirieren zu lassen.

Zum anderen tragen viele New Yorker natürlich wilde, hippe und verrückte Outfits, keine Frage. Gerade in Bushwick, Brooklyn, waren die besten Styles zu spotten und haben bei mir und meinem Boy direkt neuen Modemut entfacht. So habe ich mich dank New York an Teva Sandalen gewagt, habe mir 7/8-Hosen mit Rüschchen am Bein gekauft und meine Liebe zu bulkigen Sneakern zum Kleid entdeckt. Auch hier ist mein Take-Away: Mehr wagen = mehr Spaß. Und: Aufhören, auf die Blicke der anderen zu achten.

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#2: Die Stadt schläft doch. Wir hatten mehrere Berührungspunkte mit relativ zeitig-schließenden Öffnungszeiten: der “Bareburger” in Chelsea schließt bereits um 22 Uhr und hat Gäste, die später dran waren als wir wieder nach draußen gebeten. Bei “Totto Ramen” in Hell’s Kitchen ist es uns fast selbst passiert – da war ab 21 Uhr schon Feierabend. Und im “Iona”, einer coolen Bar in der Bedford Street, mussten wir um 23:30 Uhr den Backyard räumen – wegen der Nachbarn. Das macht die ganze Thematik in München irgendwie weniger spießig – hier beschwer sich jeder über die frühen Zeiten, bei denen man von der Terrasse in die Bar muss. Es zeigt sich: New York ist da wohl nicht ganz anders.

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#3: New York macht viel Lärm: Immer und überall gibt es einen Notfalls. Das zeigt sich an den Sirenen, die non-stop durch die Straßen schallen. Dabei haben sie alle – Feuerwehr, NYPD, Krankenwagen etc. – unterschiedliche Klingel-Arten, die gemeinsam ein wildes Getöse erzeugen. Nicht weniger laut rattert die Subwa (unter und über der Erde), dass man meint, gleich bricht die Eisenbahnbrücke entzwei. Zu keiner Zeit sollte man unter solch einer Subwaybrücke stehen, wenn eine Bahn darüber fährt. Ein süßer Sound ist dafür der, der Eiswägen, die durch die Straßen fahren und mit einem Retro-Klingeln auf kühlende Leckereien aufmerksam machen.

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#4: Hello Eiseskälte! Im Sommer ist jedes Gebäude auf eisige Temperaturen herunter gekühlt. Das gilt auch für die Subway, jedes Restaurant, jede Bar und Store. Während draußen die Hitze steht, muss drinnen mit frostigen 13 Grad klargekommen werden. Auch wenn man weiß, dass der übermäßige Gebraucht von ACs nicht förderlich für die Umwelt ist, brummen sie wohin man auch schaut auf höchster Stufe. Anfänglich hatte ich Bedenken bei der trockenen Luft zu schlafen – niemand braucht schließlich eine Erkältung im Urlaub. Aber ich habe mich erstaunlich schnell an die Klimaanlagenluft und Temperaturunterschiede gewöhnt.

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#5: Why so messy? Die Stadt ist dreckiger und chaotischer als man das von der Metropole denkt – jedenfalls war das für mich der Fall. Stichwort: Müll auf der Straße (und damit verbundener Geruch). Aber auch die unregelmäßigen Abfahrtszeiten von Subway, die generell auch kaum beschildert ist, sorgten bei uns für Verwirrung.

Außerdem verstehe ich nicht ganz, wie das Subway-System noch immer so altmodisch sein kann: Während wir in ganz Europa längst mit benutzerfreundlichen Apps, Kombi-Karten mit Metro und U-Bahn fahren können, gilt in New York noch immer: Schlange stehen vor den riesigen Kartenautomaten, Schlange stehen beim Betreten des Subwaybereichs und Schlange stehen beim Verlassen. Viel zu enge Passagen für all die Menschen, knapp bemessene Haltestellen und Temperaturen am Schmelzpunkt in den Stationen kommen dann leider noch zusätzlich ins Spiel.

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#6: Lebensgefühl? Was mir in New York abging, war das europäische Treiben einer Stadt. Ich fand die Atmosphäre insgesamt ziemlich gehetzt und hatte den Eindruck, dass jeder eher für sich ist. Das ist cool im Hinblick auf Punkt #1, aber das schließt eben auch ein herzliches Miteinander aus. Aus München und jedem Urlaub innerhalb Europa, kenne ich das so, dass man ab Nachmittags auch mal ein Gläschen Wein oder Bier im Park trinkt oder sich in eine Bar setzt und dabei dem Wirbeln der Stadt zuschaut. Das ist in New York kaum möglich, weil Alkohol im Freien verboten und nur in ganz wenigen Bars mit Außenbereich möglich ist. Wer einen Drink mag, tut das im Verborgenen einer klimatisierten, dunklen Bar. Nicht meine Idee von Summer in the City.

Zurück in München ist mir das umso mehr aufgefallen: Noch am Abend der Rückkehr sind wir durch die Stadt zum Essen gelaufen. Auf dem Weg sahen wir, wie München Raum bietet für ein Pärchen auf einer Bank mit Blick auf die Isar; zwei Freundinnen, die an einem Brunnen saßen, in dem sie eine Flasche Wein zum Kühlen gelegt hatten und unser Abendessen in der Abenddämmerung, bei dir wir uns den Tisch spontan mit einem anderen Paar geteilt hatten. Diese Art von einfachem, netten Miteinander und Lebensgefühl hat mir in New York gefehlt.Brushmeetspaper New York NYC Brush Lettering travel

#7: New Yorker bezahlen andere Menschen ganz selbstverständlich für Dinge, die sie selbst nicht tun (wollen). Klingt jetzt nicht so absurd, denn wir alle haben sicher Hilfe in irgendeiner Form. Aber die New Yorker Verhältnisse sprengen die Idee für mich um ein Vielfaches. Beispiele gefällig? Ich denke da an an folgende Dinge, die ein New Yorker oftmals nicht selbst tut: Auto fahren (ganz selbstverständlich greift man zu Uber und Taxi), Kaffee machen (gibt’s ja überall To Go), Wäsche waschen (viele Wohnungen haben keine Waschmaschine), kochen und putzen (keine Zeit dafür). Für mich ist die Masse an Geld einfach absurd, die für diese alltäglichen Dinge draufgeht. Insbesondere, wenn es sich wirklich um Basics handelt, die ich selbst tun kann – und vielleicht sogar gerne tue. Kaffee zubereiten erfüllt das Haus mit Duft und macht gute Laune. Subway- oder Fahrrad fahren vermittelt gleich ein ganz neues Verständnis einer Stadt. Und 1x die Woche all seine Wäsche in eine Wäscherei zu bringen und dabei so viel Geld zu zahlen, das man quasi alle 4 Wochen auch einfach neue Kleidung kaufen könnte – seriously? Da kratzt man sich schon am Kopf und überlegt, wie das Sinn machen kann…

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Zum Abschluss:

Auch wenn meine Erfahrungen insgesamt eher auf der negativen Seite stehen – vielleicht einfach auch, weil ich Europa, Deutschland und München so sehr schätze  – gibt es natürlich eine Vielzahl an grandiosen Dingen, die in New York einzigartig und wunder-wunderbar sind: Die Architektur (vor allem im Greenwich, West Village und East Village), das Essen (frischgetoastete Deli-Bagel an jeder Ecke, Koreanisch – quasi überall, Ukrainisch im Veselka, Ramen und natürlich Veggie Burger), das Klima (und die angenehme Gewissheit, dass man am Morgen ohne Notfall-Jacke, Pulli oder Schirm aus dem Haus gehen kann), Kaffeehausflair, echte Vintageläden voller Schätze, das authentische Viertel Bushwick, das Flat Iron Building, Streetart, die Brooklyn- und die Williamsburg Brücke, die kuriosesten Läden, die Highline und schließlich das Schönste überhaupt: das Feiern der Vielfalt der Kulturen und Liebe aller Art.

Bilder: Brushmeetspaper