Step-by-step Lettering: Schaukeln

Neuerdings finde ich wieder sehr viel Gefallen am Lettern mit dem Stift. Es sind einfach viel mehr Kompositionen möglich als mit Pinsel und Wasserfarbe und ich liebe die unterschiedlichen Schriftarten, mit denen man beim Hand Lettering (im Gegensatz zum Brush Lettering) spielen kann. Beim Erstellen meiner neue Grußkarten-Kollektion für Römerturm, habe ich bei einigen Sprüchen auch zu besagter Methode gegriffen. Und nehme Euch heute mit bei dem Entstehungsprozess hinter den Lettering-Design “Bei Regen sind wenigstens die Schaukeln frei”.

Brushmeetspaper Mixed Font Hand Lettering Bei Regen sind wenigstens die Schaukeln frei

Step #1: Die Einteilung des Papiers

Ehrlich gesagt ist die Einteilung des Papiers nicht unbedingt mein liebster Schritt beim Lettern. Ich würde viel lieber direkt drauf loslegen. Aber: Wer hier sauber arbeitet, spart sich hinterher viel Radier-Arbeit. Echt wahr. Also setze ich mit Bleistift und Geodreieck erst einmal ein paar Hilfslinien, markiere die Mitte des Papiers (Römerturm “Aquarell” Ringblock in A4) und das wars auch schon.

Step #2: Probieren probieren probieren 

Das Layouten geht am besten ebenfalls mit dem Bleistift, den hier wird getüftelt was das Zeug hält. Nur selten entsteht das Layout zum Text so, wie ich mir das zu Beginn vorstellt habe. Vielmehr passen manche Wörter mal zusammen in eine Reihe, andere nicht. Dann möchte ich wieder ein Wort betonen, ein anderes Hilfswort kann dagegen an den Rand gedrängt werden. In diesem Schritt lege ich auch fest, welche Schriftart zu welchem Begriff gepaart wird. Dabei spiele ich ganz gerne mit Kontrasten: zum Beispiel kann das Wort “darkness” in romantischer Faux Calligraphy direkt die Bedrohlichkeit verlieren. Oder wie im Lettering heute wird das banale Wort “wenigstens” mit kleinen Pünktchen in der Mitte fast schon zum Highlight des Satzes.

Step #3: Contouring 

Los geht’s mit den Outlines. Dabei ziehe ich mit dem Copic Multiliner in Stärke 1.0 alle Konturen nach, optimiere die Buchstabenhöhe und -breite und achte auf gerade gezogene Linien. Bei Faux Calligraphy-Textelementen verbreitere ich in diesem Schritt auch die stärkeren Wände der Wörter und lass das “Innere” aber noch frei. In den nächsten Schritten versteht ihr, warum.

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Step #4: Radieren was das Zeug hält

Jetzt muss all das weg, was in Step #1 und #2 zur Hilfe entstanden ist. Dabei ist wichtig, dass Ihr ein paar Minuten abwartet, bis der Marker wirklich getrocknet ist. UND, besonders wichtig: Hier zeigt sich, ob der Stift wirklich auch “radierecht” ist. Viel zu oft habe ich beim Radieren ein kleines Lettering-Kunstwerk versaut, weil ich mit einem Gel-Stift o.ä. gearbeitet hatte und durch das Radieren schwarze Schlieren quer über das Design entstanden sind. Mein Tipp: Auf wasserfeste Stifte setzen, Finger weg von Aquarell oder ähnlich an diesem Punkt!  

Step #5: Ausmalen 

Einer meiner liebsten Schritte beim Hand Lettering: Das Ausmalen von Faux Calligraphy Text-Stück. Hier kommt für mich jetzt der Color Brush Pen von Pentel ins Spiel. Ihr könnt die Konturen natürlich auch ebenfalls mit dem Copic Multiliner ausmalen, für mich ist die satte schwarze Farbe und die Zeitersparnis mit dem Brush Pen immer der Gewinner bei dieser Frage. Aber wie gesagt: Das ist Geschmacksache.

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(Step #6: Farbe)

Wer mag kann jetzt noch Farbe ins Werk bringen. Ich bin da aber immer vorsichtig, denn ist sie erstmal auf dem Papier, gibt sie direkt den Ton an. Deshalb heißt meinen Devise meistens: Erst digitalisieren, dann mit Farbe spielen.

Ansonsten ist das Hand Lettering fertig. Verschiedene Schriftarten fügen sich zu einem großen Ganzen zusammen und ermöglichen nicht nur einfaches Lesen, sondern auch einen schönen, individuell geletterten Spruch.

Was meint Ihr: Mehr von solchen Step-by-step Letterings?

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Bilder: Brushmeetspaper